Ehemalige Magersüchtige wehrt sich gegen Beleidigung.

Der 20-jährigen Eva Vermeiren aus den Niederlanden sieht man auf den ersten Blick nicht an, was sie in ihrem jungen Leben bereits alles durchgemacht hat. Mit 16 Jahren entwickelt sie eine Magersucht, kämpft mit Depressionen und fügt sich selbst Verletzungen zu. Die letzten 4 Jahre ihres Lebens waren vor allem von vielen Klinikaufenthalten geprägt. Die Niederländerin ist noch lange nicht am Ziel der Genesung angekommen – aber näher dran, als sie es jemals war. 

Aber als sie eines Tages auf offener Straße beleidigt wird, kann sie das nicht einfach so hinnehmen. Per Twitter teilt Eva ihre Gefühle mit der ganzen Welt: 

„Ich würde gerne den Jugendlichen danken, die dachten, es sei lustig, Schweinegrunzen nachzuahmen, als ich gestern vorbeigelaufen bin. Ihr habt mir nicht nur klargemacht, dass es immer noch eine Menge Arschlöcher da draußen gibt; ihr habt mir auch gezeigt, dass ich noch nicht da bin, wo ich gerne wäre. 

Als ich euer Grunzen gehört habe, fing mein Herz an zu rasen, und ich musste mich zusammenreißen, um nicht in Tränen auszubrechen. Meine selbstzerstörerischen Gedanken überkamen mich wieder und ich fühlte mich wie ein wertloses Stück Sch***e. Wie auch immer, ich werde mich nicht von euch fertigmachen lassen. 

Ja, ich bin dick. Aber sehr viel glücklicher als die letzten Jahre. Ich habe jahrelang mit mehreren Essstörungen gekämpft. Ich war stark untergewichtig, am Rande des Todes, musste ins Krankenhaus zwangseingewiesen werden. Ich habe nicht nur eine Menge Gewicht verloren, ich habe auch mich selbst verloren und meinen Überlebenswillen. 

Instagram/recovery_for_eva

Heutzutage bin ich dick, mein Körper ist aufgrund der Selbstverletzungen mit Narben übersät und ich kämpfe immer noch mit einer Essstörung (Essattacken mit Kontrollverlust) und einigen anderen psychischen Problemen, aber ich bin sehr viel weiter als damals. 

Ich bin in der Lage, zur Uni zu gehen, habe einen guten Job und wieder an Selbstbewusstsein gewonnen. Zunächst habe ich nur existiert, jetzt habe ich überlebt und bald werde ich das Leben wieder voll und ganz auskosten können. Ich möchte wieder fit werden, denn ich brauche einen gesunden Körper für all die Abenteuer, die ich für mich in Zukunft geplant habe. 

Aber wenn das Abnehmen meine mentale Gesundheit gefährdet, werde ich es nicht tun. Das ist es nicht wert. Ich sehe nun endlich Licht in der Dunkelheit und ich werde nicht nur mein Gewicht unter Kontrolle bringen, sondern auch mein Leben. Ich entreiße mein Leben wieder den Fängen meiner psychischen Erkrankung. 

Also, danke nochmal für das Grunzen. Ihr habt mir nicht nur klargemacht, dass ich noch einen langen Weg vor mir habe, bevor ich mich wieder wohl in meiner eigenen Haut fühle, ihr habt auch meinen Willen gestärkt, der Welt etwas zu bedeuten. 

Ich möchte, dass es normal wird, über psychische Probleme zu sprechen und die Menschen über die Schwierigkeiten einer unsichtbaren Krankheit aufklären. Ihr habt mir einen Grund dazu gegeben.“

Eine klare Ansage der 20-Jährigen und eine noch wichtigere Botschaft. Einmal ganz abgesehen davon, dass es ohnehin eine Unverschämtheit ist, wildfremde Leute zu beleidigen, weiß man auch nie, was für eine Geschichte sich hinter einem Menschen verbirgt. Für Eva war der Vorfall Inspiration dafür, mit ihrer Geschichte in die Öffentlichkeit zu gehen und anderen Mut zu machen. Was für eine starke Frau!



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