Seit den frühen Morgenstunden herrschte rund um das Interims-Justizzentrum in Magdeburg gespannte Stille. Draußen warteten Überlebende, Angehörige und Medienvertreter – drinnen bereitete sich der wohl wichtigste Verhandlungstag seit Jahrzehnten für das Landgericht vor. Niemand wusste, welche Worte am Ende des Tages fallen würden, nur dass sie das Kapitel „Weihnachtsmarkt-Anschlag“ endgültig schließen sollten.
Monatelanger Prozess unter Hochsicherheitsbedingungen

Über 40 Verhandlungstage, bewaffnete Justizbeamte in jedem Winkel und eine gläserne Sicherheitskabine für den Angeklagten: Das Verfahren gegen den 51-jährigen Taleb al-Abdulmohsen wurde von Beginn an als Mammutprozess bezeichnet. Das Interesse war gewaltig, die Plätze im Zuschauerraum meist schon in den frühen Morgenstunden belegt.
Immer wieder mussten Richterinnen und Richter Pausen anordnen, weil Zeugen, aber auch Prozessbeteiligte emotional zusammenbrachen. Die Akten füllen inzwischen einen ganzen Raum; Gutachter, Unfallanalytiker und Traumatherapeuten wurden in einer Detailtiefe angehört, wie sie in deutschen Strafverfahren selten ist.