Ein kalter Dienstagmorgen in Rostock: Draußen prasselt Regen gegen die Scheiben des Landgerichts, drinnen wartet ein voll besetzter Saal auf den dritten Verhandlungstag im Mordprozess um den achtjährigen Fabian. Wieder steht der Vater des getöteten Jungen im Zeugenstand – doch diesmal kündigt sich etwas Unvorhersehbares an.
Der Zeuge kehrt zurück – und alle Augen richten sich auf ihn

Die Stimmung im Saal ist gespannt, als Matthias R. den Raum betritt. Vier Jahre lang war er mit der Angeklagten Gina H. liiert; jetzt soll er ihre dunkelsten Geheimnisse preisgeben. Schon an den vergangenen Verhandlungstagen hatte er mit widersprüchlichen Aussagen für Kopfschütteln gesorgt, sogar Teile seiner früheren Belastungen zurückgenommen. Die Frage schwebt im Raum: Bleibt er heute bei seiner Version – oder zieht er erneut zurück?
Kaum hat der Vorsitzende Richter die Sitzung eröffnet, beginnt R. zu sprechen. Er wirkt ruhiger als zuvor, aber jedes seiner Worte wird auf die Goldwaage gelegt. Beobachter halten den Atem an, als er auf einen Vorfall zu sprechen kommt, der bislang nur als Randnotiz kursierte – den Tod eines Pferdes, das Gina H. wie ein Familienmitglied geliebt haben soll.