Die Ahnengalerie als Bühne der Macht-Erinnerung

Im Kanzleramt geht es bei solchen Porträts nicht nur um Dekoration. Die Galerie der ehemaligen Amtsinhaber ist immer auch ein sichtbares Archiv politischer Bedeutung. Wer dort hängt, bleibt im Haus präsent – nicht mehr als Akteur, aber als Figur der Erinnerung. Für Merkel ist das nach 16 Jahren im Amt ein Schritt, der fast zwangsläufig wirkt und doch eine neue Perspektive auf ihre Ära eröffnet.
Dabei steckt in dieser Tradition auch eine feine Symbolik: Der politische Alltag ist vorbei, die Einordnung beginnt. Aus aktueller Macht wird Rückblick. Aus der Frau, die jahrelang selbst die Räume des Kanzleramts bestimmte, wird nun ein Bestandteil jener historischen Reihe, die Nachfolgern und Besuchern täglich vor Augen führt, wer das Land einmal geführt hat.
Noch spannender wird die Sache allerdings mit Blick auf die Kunst selbst. Denn im Kanzleramt ist nicht jedes Bild einfach nur ein Bild.