Handy aus, Testament gesucht – und eine auffällige Google-Recherche

Nach dem Leichenfund habe Gina H. dem Zeugen geschildert, sie sei mit einem Bekannten spazieren gewesen, als ein Hund angeschlagen habe. Erik W. berichtete: „Sie erzählte mir, dass sie spazieren war mit einem Kumpel und der Hund Fabian entdeckt hätte: Der hat gebellt und dann sind sie hin und haben Fabian gefunden. Sie sagte, er sah schrecklich aus, und dann habe ich das Gespräch schnellstmöglich beendet und bin weg.“
Dann wurde eine weitere Sprachnachricht abgespielt. Erik W. fragte darin, was passiert sein könne. Gina H. antwortete: „Tja das wird man nie erfahren tatsächlich, ne. Weil Wasserleichen haben keine DNA-Spuren (lacht). Auch keine Brandleichen, die werden auch wenig DNA-Spuren haben, das ist leider so.“ Der Richter zeigte sich irritiert, weil die Begriffe Wasserleichen und Brandleichen nach seiner Einschätzung plötzlich und ohne erkennbaren Anlass auftauchten.
Später sagte der Kriminalbeamte zur Handy-Auswertung aus. Im untersuchten Zeitraum habe es rund 300.000 Interaktionen mit dem Gerät gegeben. Am Tag nach der Trennung von Fabians Vater suchte Gina H. demnach nach Begriffen wie „Testament aufsetzen“, „Testament schreiben ohne Notar“ und „online Testament verfassen“.
An Matthias R. schrieb sie: „Du bist der Mann, der mein Innerstes berührt hat wie kein anderer. Der Mann, für den ich alles gegeben hätte. Der Mann, für den ich kämpfen wollte, wenn es mich alles gekostet hätte. Ich wünschte, ich wäre endlich tot.“
Noch am selben Abend ließ sie sich laut Beamten von ChatGPT ein Testament erstellen. Um 21.32 Uhr kaufte sie zusätzlich eine Testamentsvorlage für 15 Euro. Besonders auffällig für die Ermittler: Am 10. Oktober, dem Tag von Fabians Tötung, war ihr Handy zwischen 11.22 Uhr und 12.42 Uhr ausgeschaltet. Der Akku sei voll gewesen, das Gerät sei aktiv abgeschaltet worden – etwas, das bei der sonst intensiven Nutzung ungewöhnlich gewesen sei.
Später suchte Gina H. online nach „Polizei“, „Polizei infos aktuell“ und rief Pressemitteilungen der Landespolizei Mecklenburg-Vorpommern auf. Für das Gericht sind diese digitalen Spuren ein weiterer Baustein in einem Prozess, in dem jede Nachricht, jede Suche und jede Erinnerung von Bedeutung sein kann.